Forschende in China haben einen neuen Blick in die tiefe Vergangenheit ermöglicht: Erstmals wurden Dinosauriereier direkt datiert – indem man sie mit einem Laser beschoss.
Direkte U‑Pb-Datierung von Dinosauriereiern per Mikrolaser
Dabei kam ein Mikrolaser zum Einsatz, der winzige Bereiche der Eierschale verdampfte. So entstand eine Wolke radioaktiver Uranatome. Weil Uran mit einer bekannten, konstanten Geschwindigkeit zu Blei zerfällt, liess sich das Alter der Eier bestimmen, indem das Team im Material das Verhältnis von Uran zu Blei mass.
Diese gängige Methode, die U‑Pb-Datierung, funktioniert wie ein verborgener atomarer Zeitmesser im Fossil. Damit konnten die Forschenden ein deutlich genaueres Alter ermitteln, das in die Oberkreide fällt – konkret in die Zeit vor rund 85 Millionen Jahren.
Warum indirekte Datierungen bei Fossil-Eiern oft unsicher sind
Bislang konzentrierten sich Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler meist darauf, das Gestein und die Ablagerungen rund um versteinerte Dinosauriereier zu datieren – etwa vulkanische Gesteine, Ascheschichten oder Minerale wie die sprichwörtlich „unsterblichen“ Zirkonkristalle. Solche indirekten Ansätze bringen jedoch Unsicherheiten mit sich.
Zum einen könnten diese Materialien lange vor dem Legen der Eier oder erst deutlich danach abgelagert worden sein. Zum anderen müssen die umgebenden Schichten genügend radioaktive Elemente enthalten, damit eine zuverlässige Datierung überhaupt möglich ist – genau deshalb sind vulkanische Gesteine so wertvoll.
Dass sich die Eier nun direkt und präzise datieren lassen (auch wenn die Sedimente in ihrer Umgebung nicht besonders radioaktiv sind), eröffnet einen ungewöhnlich klaren Zugang zur Vergangenheit.
Oberkreide: Zeitfenster, Vielfalt und lückenhafte Landarchive
Die Oberkreide reichte ungefähr von vor 100 Millionen Jahren bis vor rund 66 Millionen Jahren – bis zu jenem schicksalhaften Tag, an dem ein Asteroid die reptilische Vorherrschaft der Dinosaurier beendete.
Dieses Zeitfenster zu untersuchen ist entscheidend. Trotz der populärkulturellen Fehlbezeichnung ist die Kreidezeit der eigentliche Jurassic Park: eine Epoche extremer Vielfalt und Fülle an Dinosauriern. Während marine Archive sehr gut erforscht sind, bleiben die Daten vom Festland jedoch stellenweise lückenhaft.
Qinglongshan in China: 28 Eier, ein riesiges Eivorkommen und offene Fragen
Geografisch stammt das untersuchte Gelege mit 28 Eiern aus Qinglongshan in Zentralchina – einem Fundort, der so reich an Eiern ist, dass dort ein gigantisches Dino-Eier-Museum eingerichtet wurde. In der Region liegen mehr als 3.000 teilweise freigelegte, meist intakte Dinosauriereier. Zudem sind sie aussergewöhnlich häufig und vielfältig: Sie finden sich in unterschiedlichen Gesteinsarten, zeigen verschiedene Schalenstrukturen und deuten auf unterschiedliche Nestbauweisen hin.
Die meisten Eier aus Qinglongshan wurden offenbar von einer bislang rätselhaften Art gelegt, die als Placoolithus tumiaolingensis bekannt ist. Welche Art jedoch die in dieser Studie datierten Eier gelegt hat, bleibt unklar.
Chinas „Überangebot“ an Eiern liefert der Wissenschaft einen wichtigen landbasierten Datensatz für die späte Kreidezeit – eine Phase, die zugleich von dynamischen Klimaänderungen geprägt war. In dieser Zeit nahm die vulkanische Aktivität zu, der Sauerstoffgehalt in den Ozeanen ging zurück, und weltweit kam es zu einer deutlichen Abkühlung.
Diese Abkühlung scheint die Vielfalt der Dinosaurier verringert zu haben und könnte beeinflusst haben, wie viele Eier bestimmte Arten in Qinglongshang und anderswo legten. Möglicherweise veränderten sich sogar die Eier selbst: Die in Qinglongshang gefundenen Eier sind auffällig porös – war das eine Anpassung an die kühlere Kreidezeit?
Genauere Datierungsstrategien können solche Geschichten, die über viele Dutzend Millionen Jahre verborgen waren, ans Licht bringen – und Hinweise auf Paläoumwelten, Dinosaurierwanderungen und prähistorische Klimaschwankungen liefern.
„Our achievement holds significant implications for research on dinosaur evolution and extinction, as well as environmental changes on Earth during the Late Cretaceous,“ erklärt Bi Zhao, Wirbeltierpaläontologe am Hubei Institute of Geosciences.
„Such findings can transform fossils into compelling narratives about Earth's history.“
Und tatsächlich: Was ist fesselnder als Evolution und Aussterben der beeindruckendsten Lebewesen der Urzeit – und die längst verschwundenen Welten, in denen unsere Erde wie ein fremder Planet gewirkt haben muss?
Die Studie wurde in Frontiers in Earth Science veröffentlicht.
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