Forschende haben im Südwesten Spaniens sechs bronzezeitliche Minenplätze identifiziert, die zu der seit Langem vermuteten Herkunft des Metalls passen, das in skandinavischen Artefakten verarbeitet wurde.
Damit bekommt eine jahrzehntelange Kette chemischer Indizien erstmals konkrete Abbauorte - und Nordeuropa lässt sich klarer mit einem weit verzweigten atlantischen Handelsnetz verbinden.
Minen in Extremadura
In der Nähe von Cabeza del Buey dokumentierten Archäologinnen und Archäologen sechs Abbaustellen; neben einem kleineren Graben lagen rund 80 gerillte Steinäxte.
Johan Ling von der Universität Göteborg (GU) deutete diese Einschnitte als Spuren von Erzgewinnung und entwickelte daraufhin ein Programm, das 14 Fundorte auf der Iberischen Halbinsel systematisch erfasst.
Da die Minen Kupfer, Blei und Silber führten, lieferte Lings Erhebung endlich den greifbaren, landschaftlich-archäologischen Rahmen, der den bisherigen chemischen Hinweisen gefehlt hatte.
Damit verschob sich die Leitfrage: Nicht mehr ob Metall nach Norden gelangte, sondern an welchen Orten auf der Iberischen Halbinsel diese Wege ihren Ausgang nahmen.
Ursprung von Bronze nachverfolgen
Schon Jahre vor der Untersuchung in Spanien hatten frühere Analysen gezeigt, dass schwedische Bronze nicht zu den lokalen Kupfererzen passt.
Zu diesem Ergebnis kamen Forschende, indem sie die Chemie der Metalle mit Erzprovinzen in ganz Europa abglichen und anschließend prüften, ob die Messwerte zusammenpassen.
Eine spätere Folgestudie an 71 schwedischen Objekten lenkte den Verdacht besonders auf Iberien, Sardinien und alpine Abbaugebiete.
Spanien galt damit als wahrscheinlicher Lieferant - auch wenn der archäologische Nachweis vor Ort lange Zeit durch zu wenige eindeutig identifizierte Minen erschwert war.
Erz und Artefakte miteinander verbinden
Um die Herkunft enger einzugrenzen, setzten Forschende anschließend auf Bleisotope - winzige Unterschiede in Blei-Atomen, weil Erzlagerstätten stabile geologische Signaturen bewahren.
Teilen ein Bronzeobjekt und ein Bergbaurevier diese Signatur, schrumpft die Zahl möglicher Herkunftsregionen deutlich.
Zusätzliche Hilfe liefert die Chemie: Spurenelemente können zwei Gegenden trennen, die sich anhand der Isotope allein noch ähnlich erscheinen.
In Kombination benennen diese Hinweise zwar selten mit letzter Sicherheit einen einzelnen Schacht, doch sie machen aus groben Vermutungen überprüfbare Orte.
Hinweise auf groß angelegten Bergbau
Feldarbeiten aus demselben Forschungsprogramm erweiterten das Bild bald deutlich über die Erhebung vom Februar hinaus.
In Las Minillas verfolgten Ausgrabungsteams einen 198 Meter langen Kupfergang und dokumentierten 21 Datierungen innerhalb der Mine.
Radiokohlenstoffdatierungen - Altersabschätzungen über zerfallenden Kohlenstoff - verorteten diese Arbeiten grob zwischen 1300 und 1000 v. Chr. und damit in der späten Bronzezeit.
Solche Funde sprechen dafür, dass der Südwesten Spaniens einen industriell wirkenden Bergbau in einem Ausmaß kannte, das frühere Übersichten nicht erfassten.
Anzeichen für Planung
Auch die Anlage der Gräben macht deutlich, dass die Bergleute nicht nur oberflächlich loses Gestein abschöpften und weiterzogen.
Die langen, schmalen Einschnitte folgten dem Erzkörper - ein Hinweis darauf, dass die Arbeitenden wussten, wo das metallführende Gestein im Untergrund lag.
Gerillte Schlagsteine sowie Spuren des Feuersetzens, bei dem Gestein durch starke Hitze aufgesprengt wird, deuten auf wiederholte Arbeitsgänge statt gelegentlicher Eingriffe.
Damit wirken die spanischen Plätze weniger wie vereinzelte Löcher im Gelände, sondern eher wie Knotenpunkte einer gesteuerten Wirtschaft.
Routen über die Meere
Das Metall musste dennoch über 2.414 Kilometer bis nach Skandinavien gelangen - allein Minenfunde können die Geschichte daher nie vollständig erklären.
Wahrscheinlich transportierten Boote entlang der atlantischen Küsten Erz, Barren oder bereits verarbeitete Bronze über mehrere Tausch- und Umladepunkte.
Parallel zeigte ein größer angelegter Beitrag zu 550 Metallanalysen, dass sich die skandinavischen Versorgungsrouten im Verlauf der Zeit wiederholt verlagerten.
Spanien dürfte deshalb vor allem eine besonders starke Phase dieses Verkehrs gespeist haben - nicht zwangsläufig jede Lieferung oder jedes Jahrhundert.
Nachfrage in Skandinavien
Importiertes Kupfer veränderte, was Gemeinschaften im Norden herstellen, ausbessern und im Alltag wie auch in Ritualen zeigen konnten.
Sobald das Metall verfügbar war, mischten lokale Handwerkende es mit Zinn und gossen daraus erneut Schwerter, Schmuck und zeremonielle Ausrüstung.
Wer diesen Zufluss kontrollierte, konnte Gefolgsleute belohnen, Bündnisse inszenieren und Rang sichtbar markieren.
Entsprechend reichte die Bedeutung eines Abbauortes in Spanien weit über Iberien hinaus: Er konnte Machtkonstellationen weit im Norden stärken.
Was unklar bleibt
Trotz der neuen Funde belegen die spanischen Minen nicht, dass skandinavische Händlerinnen und Händler direkt in genau diese Täler segelten.
Das Erz könnte über Zwischenhändler gewandert sein, und fertige Objekte mögen mehrfach eingeschmolzen und neu gegossen worden sein.
Isotopenübereinstimmungen grenzen die Suche oft auf Bezirke oder weitere Gruppen ein, identifizieren jedoch nur selten einen einzelnen Stollen.
Darum bleiben Ausgrabung, Datierung und Erzbeprobung in diesem Fall ebenso entscheidend wie die Chemie.
Die größere Karte
Ling geht davon aus, dass die neu erfassten Minen nur einen kleinen Teil dessen darstellen, was in Extremadura und dem benachbarten Andalusien noch im Boden verborgen liegt.
„Die Entdeckung der neuen bronzezeitlichen Minen in Extremadura ist nur die Spitze des Eisbergs“, sagte Ling.
Seiner Schätzung nach könnten in Extremadura und Andalusien noch bis zu 150 prähistorische Minen auf eine Dokumentation warten.
Wenn diese Einschätzung annähernd stimmt, war Europas bronzezeitliche Metallökonomie dichter, härter und stärker organisiert, als es die heute erhaltenen Übersichten vermuten lassen.
Warum diese Minen wichtig sind
Die neuen Minen in Spanien sind deshalb bedeutsam, weil sie einer zuvor sehr breit wirkenden chemischen Spur erstmals reale Abbaulandschaften zuordnen.
Weitere Ausgrabungen könnten zeigen, wie das Erz Iberien verließ, wer den Zugriff darauf steuerte und wie stark Skandinaviens Bronze von diesem Zustrom abhing.
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