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Cochrane-Review: Saccharose lindert Schmerzen bei Neugeborenen bei der Venenpunktion

Krankenpflegerin gibt Neugeborenem im Krankenhaus orale Medizin mit Pipette.

Für die meisten Erwachsenen ist eine Blutabnahme unangenehm, aber in der Regel gut auszuhalten. Bei Neugeborenen – vor allem bei früh geborenen Babys – sieht das ganz anders aus: Selbst kleine medizinische Eingriffe können sich für sie sehr belastend anfühlen.

Eine aktuelle Übersichtsarbeit berichtet, dass eine einfache Zuckerlösung namens Saccharose Schmerzen von Babys bei häufigen Krankenhausprozeduren lindern kann.

Bei Neugeborenen werden im Klinikalltag oft Maßnahmen wie die Venenpunktion durchgeführt. Dabei wird mit einer Nadel eine kleine Blutmenge entnommen, um Laboruntersuchungen zu ermöglichen.

Viele Babys im Krankenhaus erleben solche Blutabnahmen mehrfach – besonders Säuglinge, die auf einer neonatologischen Intensivstation behandelt werden.

Laut der Auswertung kann es die Schmerzen verringern und die Situation für das Kind angenehmer machen, wenn kurz vor dem Eingriff eine sehr kleine Menge Saccharose in den Mund gegeben wird.

Schmerzen bei Neugeborenen

Schon kurz nach der Geburt benötigen viele Neugeborene medizinische Tests. Einige Kinder, insbesondere Frühgeborene, bleiben auf einer neonatologischen Intensivstation, wo ihr Gesundheitszustand engmaschig überwacht wird.

In dieser Zeit müssen Ärztinnen, Ärzte sowie Pflegekräfte häufig mehrere nadelbasierte Prozeduren durchführen.

Neugeborene verarbeiten Schmerzen nicht so wie ältere Kinder oder Erwachsene. Da ihr Körper noch reift, können auch kleine Eingriffe als stark schmerzhaft empfunden werden.

Werden Babys wiederholt Schmerzen ausgesetzt, ohne dass sie ausreichend gelindert werden, kann das ihr Wohlbefinden beeinträchtigen und möglicherweise auch Wachstum sowie Gehirnentwicklung beeinflussen.

Deshalb wird nach sicheren Möglichkeiten gesucht, Schmerzen während solcher Prozeduren zu reduzieren. Für die Versorgung Neugeborener sind einfache und gut im Krankenhaus umsetzbare Methoden der Schmerzlinderung besonders wichtig.

Zucker hilft Babys bei Tests

Saccharose ist eine Zuckerart. In manchen Kliniken erhalten Babys unmittelbar vor einer Nadelprozedur einige Tropfen einer Saccharose-Lösung. Der süße Geschmack kann beruhigend wirken und dabei helfen, Schmerzen abzuschwächen.

Diese Vorgehensweise wird seit vielen Jahren eingesetzt, weil sie unkompliziert und kostengünstig ist. Dennoch wollten Forschende belastbarere wissenschaftliche Belege dafür, wie gut sie bei bestimmten Eingriffen wie der Venenpunktion tatsächlich wirkt.

Um klarere Aussagen zu ermöglichen, wertete das Cochrane-Review zahlreiche Studienergebnisse aus. Dabei wurde gezielt geprüft, ob Saccharose Babys bei Blutabnahmen und vergleichbaren medizinischen Maßnahmen messbar weniger Schmerzen empfinden lässt.

Große Auswertung klinischer Studien

Die Forschenden analysierten 29 klinische Studien mit mehr als 2.700 Babys. Die eingeschlossenen Kinder waren entweder frühgeboren oder termingeboren und benötigten im Krankenhaus eine Venenpunktion.

In den Studien wurden Babys, die Saccharose erhielten, mit Vergleichsgruppen gegenübergestellt, die keine Behandlung, Wasser oder die Standardversorgung bekamen.

Insgesamt deuten die Ergebnisse darauf hin, dass Saccharose die Schmerzen während der Nadelprozedur und direkt danach wahrscheinlich reduziert. Noch ausgeprägter war der Effekt, wenn zusätzlich nicht-nutritives Saugen eingesetzt wurde – etwa das Saugen an einem Schnuller.

„Neugeborene werden im Krankenhaus häufig Nadelprozeduren unterzogen, ohne irgendeine Schmerzlinderung oder tröstende Maßnahmen, obwohl ältere Kinder und Erwachsene diese Eingriffe selten ohne Schmerzversorgung erhalten“, sagte die leitende Autorin der Studie, Mariana Bueno von der Universität von Toronto.

„Die Evidenz zeigt, dass eine kleine Menge Saccharose, die unmittelbar vor dem Eingriff gegeben wird, eine einfache, schnelle und wirksame Möglichkeit ist, diese Schmerzen zu verringern. Unsere Übersichtsarbeit hilft Behandelnden, diese Evidenz in der Praxis sicherer und konsequenter anzuwenden.“

Eine kostengünstige, sichere Maßnahme

Ein zentrales Ergebnis der Übersichtsarbeit ist, dass die in den Studien verwendeten kleinen Saccharose-Mengen zur Schmerzlinderung bei den eingeschlossenen Babys keine unmittelbaren Nebenwirkungen auslösten.

Damit ist Saccharose für Kliniken eine praktische Option: Sie gilt als sicher, ist preiswert und lässt sich leicht verabreichen.

Allerdings betrachteten die Studien überwiegend kurzfristige Effekte. Die Forschenden betonen, dass weitere Untersuchungen nötig sind, um zu klären, ob eine wiederholte Gabe über längere Zeiträume langfristige Auswirkungen haben könnte – insbesondere bei Babys, die längere Zeit in der Neonatalversorgung bleiben.

„Eltern könnten überrascht sein zu erfahren, dass etwas so Einfaches wie ein paar Tropfen Zuckerlösung während Blutabnahmen einen echten Unterschied für den Komfort ihres Babys machen kann“, sagte die Co-Autorin Ligyana Candido von der Universität von Ottawa.

„Das ist eine kostengünstige, sichere Maßnahme, die innerhalb von Minuten wirkt, und sie kann besonders hilfreich sein, wenn andere beruhigende Methoden wie Haut-zu-Haut-Kontakt oder Stillen nicht möglich sind.“

Krankenhäuser brauchen klare Leitlinien

Obwohl Saccharose in vielen Kliniken bereits verwendet wird, zeigte das Review, dass das medizinische Personal sie häufig auf unterschiedliche Weise einsetzt. Manche Häuser verwenden andere Dosierungen, andere verabreichen sie zu verschiedenen Zeitpunkten vor dem Eingriff.

„Was mir bei der Erstellung dieses Reviews besonders auffiel, war die große Bandbreite, wie Saccharose Neugeborenen gegeben wurde“, ergänzte Bueno.

Wegen dieser Unterschiede plädieren die Forschenden für eindeutigere medizinische Vorgaben in den Kliniken. Saccharose sollte wie andere Arzneimittel behandelt werden: Es sollte dokumentiert werden, wann sie verabreicht wird, in welcher Menge und aus welchem Grund.

„Um Sicherheit und klinische Konsistenz zu gewährleisten, muss Saccharose nach formalen Medikationsprotokollen verabreicht werden, die für schmerzhafte Prozeduren konkretes Timing und Dosierung festlegen“, sagte der Co-Autor der Studie, Jiale Hu von der Virginia-Commonwealth-Universität.

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