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Pubertät in Dänemark beginnt früher: Ergebnisse der Dänischen Pubertätskohorte

Mädchen misst Körpergröße an Messlatte, im Hintergrund drei Jugendliche mit Rucksäcken und Handys.

Früher verlief die Pubertät nach einem recht verlässlichen Zeitplan: Eltern rechneten damit, Ärztinnen und Ärzte behielten sie im Blick, und Kinder durchliefen diese Phase einfach.

In den letzten Jahrzehnten haben Forschende jedoch eine Verschiebung beobachtet. Die Entwicklung scheint etwas früher einzusetzen.

Eine grosse dänische Studie bestätigt diesen Trend nun deutlich: Nach der Beobachtung von fast 16.000 Kindern über nahezu ein Jahrzehnt berichten die Forschenden, dass die Pubertät heute früher beginnt als in der Generation davor. Das klingt nach einer kleinen Veränderung – ist es aber nicht.

Eine stille Verschiebung mit Folgen

Verglichen mit ihren Müttern bekommen dänische Mädchen ihre erste Periode inzwischen in jüngerem Alter. Auch bei Jungen zeigen sich Hinweise auf einen früheren Pubertätsbeginn als in früheren dänischen Untersuchungen.

Im Mittel liegt die Verschiebung bei etwa drei Monaten – und sie ist gross genug, um sowohl das Wohlbefinden als auch die spätere Gesundheit beeinflussen zu können.

Drei Monate wirken auf den ersten Blick nicht gravierend. In der menschlichen Entwicklung spielt der Zeitpunkt jedoch eine wichtige Rolle. Pubertät bedeutet nicht nur körperliche Veränderungen, sondern steht auch mit emotionaler Entwicklung, Gehirnreifung und langfristiger Gesundheit in Verbindung. Selbst kleine Vorverlagerungen können sich später bemerkbar machen.

Pubertät über ein Jahrzehnt systematisch erfasst

Die Ergebnisse stammen aus der Dänischen Pubertätskohorte, einem langfristigen Projekt, das 15,819 Kinder begleitet hat, die zwischen 2000 und 2003 geboren wurden.

Zwischen dem 11. und 18. Lebensjahr gaben die Jugendlichen alle sechs Monate Auskunft über ihre Entwicklung – darunter Brustentwicklung, Schamhaarwachstum, Menstruation, Stimmveränderungen und die erste Ejakulation.

Bereits vor mehr als zehn Jahren stellte Professorin Cecilia Ramlau-Hansen von der Universität Aarhus die Frage: „Treten dänische Kinder weiterhin früher in die Pubertät ein – und warum?“

Damals fehlten belastbare Daten, um das zu beantworten. Deshalb konzipierte Professorin Ramlau-Hansen die Studie von Grund auf neu.

„Es scheint, dass das Pubertätsalter in Dänemark weiterhin sinkt, und wir haben mehrere konkrete Faktoren während der Schwangerschaft und der Kindheit identifiziert, die den Zeitpunkt der Pubertät offenbar nach vorn verlagern“, sagte sie.

Gene und Umwelt spielen zusammen

Dass Gene eine Rolle spielen, ist unstrittig. Das Pubertätsalter der Mutter beeinflusst mit, wann ihr Kind beginnt – doch biologische Veranlagung wirkt nicht isoliert.

Die Forschenden fanden Hinweise darauf, dass die Gesundheit der Mutter vor und während der Schwangerschaft sowie mütterliches Rauchen in der Schwangerschaft den Zeitpunkt beeinflussen können.

Ebenso zeigte sich ein Zusammenhang mit Übergewicht und Adipositas vor der Pubertät. Darüber hinaus scheinen psychosoziale und familienbezogene Belastungen eine Rolle zu spielen, etwa Stress, Scheidung, die Abwesenheit des Vaters und Dynamiken zwischen Geschwistern.

Viele dieser Faktoren gehen mit einem früheren Pubertätsbeginn einher – in einzelnen Fällen um bis zu vier bis fünf Monate.

„Es ist einzigartig, für so viele Kinder derart detaillierte Informationen sowohl vor als auch während der Pubertät zu haben“, sagte Ramlau-Hansen. „Das hat uns eine aussergewöhnliche Möglichkeit gegeben, Faktoren und Umstände zu identifizieren, die zu einer früheren Pubertät führen können.“

Gewicht und Stress verlagern den Pubertätsbeginn nach vorn

Ein Punkt stach besonders hervor: das Gewicht in der Kindheit. In den vergangenen Jahrzehnten sind die Raten von kindlichem Übergewicht und Adipositas in vielen Ländern gestiegen.

Fettgewebe beeinflusst Hormonspiegel – darunter Östrogen und weitere Signale, die die Pubertät auslösen. Dieser Zusammenhang wurde auch in Studien aus den USA und Europa beobachtet.

Auch Stress scheint bedeutsam zu sein. Kinder, die in instabilen Lebensumständen aufwachsen, beginnen mitunter früher mit der Pubertät. Forschende vermuten, dass chronischer Stress das hormonelle Steuerzentrum im Gehirn beeinflussen und den Körper in Richtung früherer Reifung schieben kann.

Können Kinder ihre Pubertät zuverlässig selbst einschätzen?

In der Studie bewerteten die Jugendlichen ihre Pubertätsstadien selbst – über Online-Fragebögen. Das wirft eine naheliegende Frage auf: Können Teenager ihre eigene Entwicklung wirklich korrekt beurteilen?

Das Team überprüfte diese Selbstauskünfte, indem es sie mit klinischen Untersuchungen und Registerdaten verglich. Die Ergebnisse stimmten eng überein.

Diese Art der Validierung ist wichtig: Sie zeigt, dass grosse Studien nicht zwingend invasive Untersuchungen brauchen, um verlässliche Daten zu gewinnen. Bei sorgfältiger Planung können Jugendliche genaue Angaben zu ihrem Körper machen.

Warum ein früher Pubertätsbeginn wichtig ist

Ein früher Pubertätsbeginn betrifft weit mehr als den Zeitpunkt der ersten Menstruation bei Mädchen oder den Stimmbruch bei Jungen. Befunde aus der Pubertätskohorte und aus anderen Ländern deuten darauf hin, dass frühe Pubertät bis ins Erwachsenenalter Folgen haben kann.

Sie wird unter anderem mit einem erhöhten Risiko für Übergewicht und Typ-2-Diabetes, hormonabhängige Krebserkrankungen sowie mit einem schlechteren psychischen Wohlbefinden in der Adoleszenz in Verbindung gebracht.

Die psychische Gesundheit ist dabei ein zentraler Aspekt. Kinder, die früher reifen als Gleichaltrige, fühlen sich oft nicht im Takt mit ihrer Umgebung. Andere Studien zeigen, dass Mädchen mit früher Entwicklung ein höheres Risiko für Depressionen und Angststörungen haben.

Auch Jungen können bei früher Reifung Probleme erleben – insbesondere dann, wenn die emotionale Entwicklung den körperlichen Veränderungen hinterherhinkt.

„Wenn biologische und soziale Faktoren früh im Leben den Pubertätszeitpunkt beeinflussen, wird die Pubertät auch zu einem Signal für die allgemeinen Lebensbedingungen von Kindern“, sagte Ramlau-Hansen.

„Dieses Wissen kann in der Prävention und Beratung genutzt werden – und dabei helfen, Kinder zu erkennen, die möglicherweise zusätzliche Aufmerksamkeit benötigen.“

Was sich beeinflussen lässt – und was nicht

Einige Einflüsse sind nicht veränderbar, etwa genetische Faktoren. Die Forschenden betonten, dass bestimmte Risikofaktoren für eine frühere pubertäre Entwicklung – wie eine genetische Veranlagung – nicht geändert werden können.

Andere lassen sich jedoch angehen. Dazu zählen beispielsweise Übergewicht im Kindesalter und Rauchen während der Schwangerschaft. Über Interventionen besteht damit die Hoffnung, dass sich der Trend zu immer früherer Pubertät abbremsen lässt.

Massnahmen der öffentlichen Gesundheit zielen bereits darauf, Rauchen in der Schwangerschaft zu reduzieren und kindliche Adipositas zu verhindern. Die neuen Ergebnisse liefern einen weiteren Grund, diese Bemühungen ernst zu nehmen.

Folgen der Pubertät bis ins Erwachsenenalter

Die in der Studie erfassten Kinder sind inzwischen junge Erwachsene. Die Forschenden verfolgen sie weiter – über nationale Register und neue Fragebögen. Ziel ist es, besser zu verstehen, wie der Pubertätszeitpunkt mit Gesundheit im Erwachsenenalter, Fruchtbarkeit und psychischem Wohlbefinden zusammenhängt.

„Wir haben sehr viel darüber gelernt, warum Kinder heute früher in die Pubertät kommen. Aber wir beginnen erst zu verstehen, was der Zeitpunkt der Pubertät für das Erwachsenenleben bedeutet“, sagte Ramlau-Hansen.

„Der nächste wichtige Schritt ist, den Zusammenhang mit psychischem Wohlbefinden und Fruchtbarkeit später im Leben zu untersuchen – und daran arbeiten wir bereits.“

Die vollständige Studie wurde im Fachjournal Internationales Journal für Epidemiologie veröffentlicht.

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