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Wie Dauerregen im Jangtse-Tal den Untergang der Shijiahe-Kultur auslöste

Mann untersucht große Felswand mit uralten Schriftzeichen, Fluss und Stadt im Hintergrund bei Sonnenuntergang.

Klima hat die Menschheitsgeschichte seit jeher mitgeprägt. Kommt der Regen zur richtigen Zeit, gedeihen Ernten und Städte können wachsen. Bleibt er aus – oder fällt er zur falschen Zeit –, weichen Menschen aus, passen sich an oder verschwinden mitunter.

Vor rund 4.200 Jahren erlebte die Erde einen deutlichen Klimawandel. Von Nahost bis Asien gerieten Zivilisationen unter Druck. In Zentralchina begann eine grosse, gut organisierte Gesellschaft, die als Shijiahe-Kultur bekannt ist, zu zerfallen.

Lange Zeit wurde darüber gestritten, weshalb die antike Stadt von Shijiahe aufgegeben wurde. Eine Dürre schien der naheliegende Verdächtige zu sein.

Nun hat ein Forschungsteam den Niedergang von Shijiahe jedoch mit wiederholten, lang anhaltenden Regenphasen im Jangtse-Tal in Verbindung gebracht. Den Ergebnissen zufolge waren überwältigende Überschwemmungen der entscheidende Kipppunkt.

Regen, der im Stein gespeichert ist

Um die Abläufe zu rekonstruieren, gingen die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler unter die Erde. In der Heshang-Höhle im mittleren Jangtse-Tal untersuchten sie einen Stalagmiten, der über lange Zeit langsam vom Höhlenboden aus gewachsen war.

Solche Stalagmiten entstehen, wenn Regenwasser von der Decke tropft und dabei hauchdünne Schichten aus Calciumcarbonat ablagert. Jahr für Jahr entstehen so Lagen, die sich wie Seiten eines Geschichtsbuchs übereinanderlegen.

Anhand der chemischen Signaturen dieser Lagen erstellte das Team ein präzise datiertes „Niederschlags-Jahrbuch“. Dafür nahmen sie 925 Einzelmessungen vor, um für einen Zeitraum von 1.000 Jahren abzuleiten, wie viel Regen jeweils pro Jahr fiel.

Das Bild war eindeutig: Das Tal durchlief drei Trockenphasen, die jeweils zwischen 40 und 150 Jahre dauerten. In diesen Abschnitten sank der Jahresniederschlag auf unter 700 Millimeter (rund 71 Zentimeter).

Gleichzeitig gab es zwei ausgesprochen feuchte Perioden – eine über 80 Jahre und eine über 140 Jahre –, in denen der Jahresniederschlag über 1.000 Millimetern lag (mehr als 99 Zentimeter).

Überflutete Flächen, schrumpfende Städte

Als die Forschenden diese Regenchronik mit archäologischen Befunden abglichen, trat ein klares Muster zutage. Die feuchten Phasen fielen mit Hinweisen auf schwere Überschwemmungen, sich ausbreitende Feuchtgebiete und einen deutlichen Bevölkerungsrückgang zusammen.

Vor etwa 3.950 Jahren begann in der Region die längste Phase starken Niederschlags innerhalb der gesamten Aufzeichnung. Seen dehnten sich aus. Tiefliegende Bereiche wurden dauerhaft durchnässt. Nutzflächen für die Landwirtschaft gingen zurück.

Parallel dazu nahm die Zahl der archäologischen Hinterlassenschaften, die der Shijiahe-Kultur zugeschrieben werden, ab. Dieser Rückgang war kein kurzer Einbruch, sondern setzte sich über Jahrhunderte fort. Die Funde deuten darauf hin, dass die Überlebenden ihr urbanes Zentrum im Tal verliessen und in höher gelegene Gebiete auswichen.

Geleitet wurde die zugrunde liegende Untersuchung von Teams des Department of Earth Sciences der University of Oxford sowie der China University of Geosciences (Wuhan). Die Arbeit verknüpft Klimadaten aus dem Inneren einer Höhle mit dem Schicksal einer komplexen Gesellschaft an der Oberfläche.

Mehr Niederschlag, als Shijiahe verkraften konnte

Ein Detail ist besonders bemerkenswert: Laut Studie lag selbst der Spitzenwert der Niederschläge während der regenreichen Phase, die mit dem Zusammenbruch der Shijiahe-Zivilisation verbunden ist, unter einigen Extremregenereignissen, die in der Neuzeit dokumentiert wurden.

Gerade das ist relevant. Antike Gesellschaften verfügten weder über Talsperren noch über Deiche, ausgefeilte Entwässerungssysteme oder gross angelegte Hochwasservorsorge.

Stattdessen waren sie stark auf verlässliche saisonale Abläufe angewiesen. Wenn diese Muster über Jahrzehnte hinweg ausser Kraft gesetzt wurden, blieben nur wenige Handlungsmöglichkeiten.

Die Shijiahe-Kultur hatte grosse Siedlungen aufgebaut und entwickelte anspruchsvolle Handwerke sowie Handelsnetze.

Doch gegen ansteigende Seen kam sie nicht an, und Felder, die Jahr für Jahr unter Wasser standen, liessen sich nicht einfach zurückgewinnen. Mit der Zeit dürfte die Abwanderung die einzige realistische Option gewesen sein.

Lehren für eine sich erwärmende Welt

Die Studie erklärt nicht nur einen historischen Niedergang. Sie macht auch sichtbar, wie empfindlich menschliche Systeme auf langfristige Verschiebungen beim Niederschlag reagieren können. Zu wenig Wasser ist gefährlich – zu viel kann ebenso zerstörerisch sein.

Die Geschichte von Shijiahe handelt damit nicht nur von Vergangenheit, sondern von Grenzen. Klimaextreme müssen keine Rekorde brechen, um eine Gesellschaft aus dem Takt zu bringen. Entscheidend ist, dass sie lange genug anhalten.

Vor 4.000 Jahren wurde aus gleichmässigem Regen unnachgiebiger Dauerregen. Äcker versanken, Städte leerten sich, und eine Kultur, die einst im mittleren Jangtse-Tal blühte, zerstreute sich in höheres Gelände. In der Heshang-Höhle blieb jeder Tropfen als Spur erhalten – und heute lässt sich daraus die Geschichte ablesen.

Die vollständige Studie erschien in der Fachzeitschrift National Science Review.

Bildnachweis: ©Science China Press

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