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Saqqara: 4.300 Jahre alte Mumie im versiegelten Kalksteinsarg entdeckt

Archäologe restauriert mit Maske einen goldenen Pharaonensarg in einer mit Hieroglyphen verzierten Grabkammer.

Archäologinnen und Archäologen haben in Saqqara, einem antiken Gräberfeld unweit des heutigen Kairo in Ägypten, eine 4.300 Jahre alte Mumie in einem Kalksteinsarg gefunden.

Der Leichnam war in Goldblech eingeschlagen – und diese Hülle war seit der Beisetzung unberührt geblieben.

Gerade weil die Versiegelung intakt ist, liefert der Fund seltene, greifbare Hinweise auf Reichtum, Glaubensvorstellungen und Bestattungsrituale, die bei den meisten Gräbern des Alten Reiches durch Plünderung und Verfall verloren gingen.

Im Schacht

Am Grund eines 15 Meter (49 Fuß) tiefen Schachts stand ein rechteckiger Kalksteinsarkophag, mit altem Mörtel verschlossen – so, wie er vor mehr als vier Jahrtausenden zurückgelassen worden war.

Als man hineinblickte, hielt der ägyptische Archäologe Zahi Hawass, der gemeinsam mit dem Obersten Rat für Altertümer arbeitete, den goldbedeckten Körper eines Mannes namens Heka-shepes fest, der noch immer im Sarg lag.

Inschriften in der Kammer bestätigten seine Identität und verknüpften die Bestattung mit der Fünften und Sechsten Dynastie, womit der Fund klar im Alten Reich verankert ist.

Doch selbst ein unangetasteter Sarg erzählt nur einen Teil der Geschichte; erst die umliegenden Gräber und Beigaben können erklären, wer Heka-shepes war und wie seine Welt funktionierte.

Gold auf der Haut

Gold auf einem Gesicht stand als Zeichen für Wohlstand – und zugleich passte es zu der alten Vorstellung, die Götter hätten glänzende, unvergängliche Haut.

Handwerker trieben das Metall zu hauchdünnen Blättern aus und drückten es auf die Umhüllungen; klebriges Harz härtete aus und bremste den Zerfall.

Für die meisten Menschen war selbst ein einziges Blatt unerschwinglich, weshalb Vergoldung in der Regel nur einen kleinen Ausschnitt der ägyptischen Elite kennzeichnete.

Trotzdem erklärt das Gold allein sein Leben nicht, denn nahe Gräber und Gegenstände machten Berufe, Familien und soziale Verbindungen sichtbar.

Eine Nekropole nimmt Gestalt an

In der Nähe dieser Anlage lag Saqqara inmitten einer weitläufigen Nekropole – einer Stadt der Toten, die die UNESCO 1979 als Welterbestätte anerkannte.

Gräber eines königlichen Pyramidenpriesters und eines hochrangigen Palastbeamten zeigten, dass dieser Friedhof mächtigen Personen vorbehalten war, die dem König nahestanden.

Indem sich Eliten in der Umgebung königlicher Pyramiden ansiedelten, sicherten sich ihre Familien den ständigen Besucherstrom von Priestern und Pilgern, die Opfergaben, Gebete und Zahlungen mitbrachten.

Doch selbst wenn Steinmauerwerk erhalten bleibt, können verlorenes Holz und verrottete Textilien verbergen, wie diese Haushalte tatsächlich trauerten.

Namen im Kalkstein

In einem dritten Grab kamen gemeißelte Kalksteinfiguren ans Licht: neun bemalte Statuen standen dicht nebeneinander in einer Reihe.

Wahrscheinlich gehörte die Kammer einem Priester, der mit einem königlichen Grabbau verbunden war; eine beschriftete Türschwelle bewahrte seinen Namen.

Solche Figuren waren bedeutsam, weil Statuen den Toten vertreten konnten und Opfer entgegennahmen, während der echte Körper tief unter der Erde verborgen blieb.

Ohne eindeutige Wandinschriften konnten die Forschenden den Namen jedoch nur als plausibelste Lesart behandeln – nicht als endgültige Gewissheit.

Eine weitere Grabkammer

An anderer Stelle führte ein 10 Meter (33 Fuß) tiefer Schacht zu einem Depot aus Holzstatuen sowie zu drei Steinfiguren eines Mannes namens Fetek.

Daneben lagen ein Opfertisch und ein Steinsarg, in dem seine Mumie ruhte – damit war die Kunst klar an ein einzelnes Bestattungsritual gebunden.

Indem man die Statuen im selben Schacht platzierte, blieben sie in unmittelbarer Nähe des Körpers, sodass der Verstorbene im Jenseits Unterstützung beanspruchen konnte.

Da Holz in feuchten Bereichen selten überdauert, stellt diese Gruppe ein besonders fragiles Zeugnis dar, das Restauratorinnen und Restauratoren rasch stabilisieren müssen.

Kleine Funde, grosse Hinweise

Über das Areal verteilt tauchten zahlreiche Kleinfunde auf – von Amuletten, also kleinen Schutzanhängern, bis hin zu Kosmetika und Gefässen des täglichen Gebrauchs.

Steingefässe enthielten vermutlich Öle und Harze, die Einbalsamierer auf die Haut auftrugen, weil solche Flüssigkeiten Bakterien und Gerüche eindämmten.

Götterfiguren und Keramik machten zudem sichtbar, wie Hinterbliebene Opferhandlungen inszenierten und den Bereich anschliessend für die langfristige Betreuung durch Priester versiegelten.

Weil Diebe oft zuerst nach Gold griffen, können gerade diese günstigeren Überreste zu den besten Anhaltspunkten für Datierung und Geschmack werden.

Was die Wände verrieten

Reliefs an den Grabwänden hielten Titel, Verwandtschaftsbeziehungen und Arbeitsszenen fest und machten die Steinkammern zu persönlichen Lebensläufen.

Ägyptische Hieroglyphen – bildhafte Zeichen für Wörter und Laute – erlaubten es den Künstlern, Namen und Ränge in engen Spalten zu bündeln.

Stil- und Schreibvarianten halfen der Forschung, jede Bestattung in die Fünfte und Sechste Dynastie einzuordnen, selbst dann, wenn die Knochen kaum Hinweise gaben.

Dennoch können spätere Grabungen und Verwitterung einen Namen in kurzer Zeit auslöschen – und den Eigentümer eines Grabes erneut anonym machen.

Saqqaras tiefere Vergangenheit

Westlich der Stufenpyramide liegt auf dem Plateau von Saqqara eine gewaltige steinerne Umfriedung, die möglicherweise noch vor der grossen Epoche des Pyramidenbaus entstand.

Eine Analyse aus dem Jahr 2017 zeichnete nach, wie Geländerücken und trockene Rinnen frühe Bautätigkeit auf dem Plateau lenkten.

Natürliche Rinnen bündelten die Bewegung über das Gelände, sodass Bauleute dieselben Korridore für Monumente, Friedhöfe und Prozessionen wiederverwendeten.

Diese lange Nutzungsgeschichte bedeutet, dass jeder neu geöffnete Schacht auch alte Annahmen darüber prüft, wann die Umfriedung errichtet wurde und wer sie kontrollierte.

Schutz für empfindliche Entdeckungen

Nach Abschluss der Grabung müssen Konservatorinnen und Konservatoren verhindern, dass Luft und Licht Haut, Farbe und Holz schädigen, die zuvor im Untergrund lagen.

Abrupte Veränderungen der Luftfeuchtigkeit können Umhüllungen schrumpfen und reissen lassen, und Salze im Boden können Pigmente abblättern.

Sorgfältiges Reinigen, Verpacken und Scannen ermöglicht es Teams, jede Schicht zu dokumentieren, bevor Objekte bewegt werden – damit spätere Fachleute Entscheidungen erneut prüfen können.

Begrenzte Laborkapazitäten können die Arbeit ausbremsen, sodass manche Stücke womöglich jahrelang warten, bis vollständige Ergebnisse veröffentlicht werden.

Jenseits der Pharaonen

Jedes Grab, jede Statue und jeder kleine Schutzanhänger aus Saqqara erweitert das Bild des Lebens im Alten Reich über Pharaonen und ihre Höfe hinaus.

Die gründliche Untersuchung der goldbedeckten Mumie und ihrer Nachbarfunde könnte Datierungen und Praktiken präzisieren – doch nur geduldige Detailarbeit kann Hawass’ Aussage endgültig bestätigen.

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