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Flexible Schulstartzeiten: Studie der Universität Zürich zeigt Vorteile für Teenager

Junge Frau reckt sich im Bett, Sonnenlicht fällt durch Fenster, Wecker zeigt 7 Uhr, Schultasche steht bereit.

Jeden Morgen quälen sich Millionen Teenager noch vor Sonnenaufgang aus dem Bett. Der Wecker klingelt, die Augen bleiben halb geschlossen – und der Tag startet bereits mit Erschöpfung. Viele Erwachsene glauben, das liege vor allem daran, dass Jugendliche freiwillig zu lange wach bleiben.

Die Forschung zeichnet jedoch ein anderes Bild. Beginnt der Unterricht zu früh, sammeln viele Schülerinnen und Schüler immer wieder Schlafdefizite an. Mit der Zeit wirkt sich dieser Schlafmangel auf Stimmung, Konzentration, Gesundheit und schulische Leistungen aus.

Neue Untersuchungen der Universität Zürich und des Universitäts-Kinderspitals Zürich zeigen, dass flexible Schulstartzeiten für Teenager spürbare Vorteile bringen können.

Teenager-Schlaf verändert sich in der Pubertät

Die Jugendzeit ist geprägt von schnellem Wachstum und intensiver Entwicklung des Gehirns. Forschende beschreiben, dass der Zeitpunkt des Schlafs im Wesentlichen durch zwei Systeme gesteuert wird: den Schlafdruck und die innere Uhr.

In den Teenagerjahren verschiebt sich die innere Uhr nach hinten, während sich der Schlafdruck langsamer aufbaut. Dadurch sind Jugendliche abends von Natur aus länger wach und haben Schwierigkeiten, früh einzuschlafen.

Frühe Schulanfangszeiten zwingen Teenager dennoch dazu, weiterhin sehr früh aufzustehen – obwohl ihre Biologie den Schlaf nach hinten drängt.

Diese Diskrepanz führt zu dauerhaftem Schlafmangel. Studien bringen ihn mit Müdigkeit am Tag, schwächerer Aufmerksamkeit, mehr Risikoverhalten und gesundheitlichen Beschwerden in Verbindung.

Warum frühe Morgenstunden Probleme machen

Die meisten Teenager versuchen zwar, an Schultagen früher ins Bett zu gehen, doch biologisch gibt es Grenzen dafür, wie weit der Schlafbeginn vorverlegt werden kann.

Laut den Forschenden können Jugendliche nicht einfach „entscheiden“, früher einzuschlafen, weil sich die Schlafregulation verschoben hat. Das Ergebnis: Der Schlaf an Schultagen fällt deutlich kürzer aus als am Wochenende.

„Das ist besorgniserregend, da chronischer Schlafmangel nicht nur das Wohlbefinden beeinträchtigt, sondern auch messbare Auswirkungen auf die psychische Gesundheit, die körperliche Entwicklung und die Lernfähigkeit hat“, sagte der Co-Autor der Studie Dr. Oskar Jenni, Direktor des Zentrums für Kindesentwicklung der Universität Zürich.

Schlafverlust bedeutet also nicht nur Müdigkeit – er beeinflusst Gefühle, Wachstum und die Fähigkeit zu lernen.

Ein neues flexibles Schulmodell

Um mögliche Lösungen zu prüfen, untersuchte das Forschungsteam zwei Sekundarschulen im Kanton St. Gallen in der Schweiz. Im bisherigen System begann die erste Lektion um 7:20 Uhr.

Im neuen System führten die Schulen flexible Zeitfenster am Morgen, zur Mittagszeit und am Nachmittag ein. Die Schülerinnen und Schüler konnten wählen, ob sie um 7:30 Uhr starten oder ohne Unterricht zu verpassen erst um 8:30 Uhr beginnen.

Die Studie begleitete die Jugendlichen vor und nach der Umstellung. Insgesamt füllten 754 Schülerinnen und Schüler Fragebögen aus, und 212 nahmen in beiden Jahren teil. Das Durchschnittsalter lag bei etwa 14 Jahren.

Teenager entscheiden sich für spätere Schulstarts

Sobald eine Wahlmöglichkeit bestand, nutzten fast alle die spätere Startzeit. Die mittlere Beginnzeit verschob sich von 7:40 Uhr auf 8:18 Uhr – eine Verzögerung um 38 Minuten. Rund 95 Prozent der Jugendlichen griffen auf die spätere Option zurück. Nur 5 Prozent entschieden sich nie dafür.

Auch die Aufstehzeiten verlagerten sich um etwa 40 Minuten nach hinten. Die Zubettgehzeiten blieben dabei ungefähr gleich. Dadurch stieg die Schlafdauer an Schultagen von etwa 8 Stunden und 15 Minuten auf 9 Stunden. Anders gesagt: Die Schülerinnen und Schüler gewannen rund 45 Minuten zusätzlichen Schlaf an Schultagen.

Verbesserungen bei Gesundheit und Schlaf

Negative Folgen durch den neuen Stundenplan wurden nicht festgestellt. Im Gegenteil: Bei mehreren Kennwerten zeigte sich eine Verbesserung. Die Jugendlichen berichteten seltener von Einschlafproblemen. Zudem sank nach der Umstellung die Zahl der Schülerinnen und Schüler mit sehr niedrigen Werten der gesundheitsbezogenen Lebensqualität.

„Die Schülerinnen und Schüler berichteten über weniger Probleme beim Einschlafen, und die gesundheitsbezogene Lebensqualität stieg“, sagte die Forscherin der Universität Zürich Dr. Joëlle Albrecht.

Obwohl sich die allgemeinen Depressionswerte nicht stark veränderten, wiesen nach der Umstellung weniger Jugendliche klinisch ernst zu nehmende Ausprägungen emotionaler Schwierigkeiten auf.

Lernen von Teenagern verbessert sich bei späterem Start

Die Noten in Mathematik, Deutsch und Englisch veränderten sich kaum. Dennoch verbesserten sich die Ergebnisse in standardisierten Tests in Mathematik und Englisch nach Einführung des flexiblen Modells deutlich.

Standardisierte Tests erfassen Leistungen objektiver als Noten, die von Lehrkräften vergeben werden.

Ausserdem stellten die Forschenden fest: Jugendliche, die ihren Schlaf am stärksten ausweiten konnten, verbesserten sich auch bei den Mathe-Noten. Schlaf unterstützt Gedächtnis, Konzentration und Problemlösen – zusätzliche Erholung dürfte daher die Testleistungen positiv beeinflusst haben.

Eine praktikable Lösung für Schulen

Schulzeiten umzustellen ist oft anspruchsvoll. In manchen Gemeinden gibt es Bedenken wegen Transport, Betreuung oder Angeboten nach dem Unterricht.

Das flexible System ermöglichte jedoch eine Wahl, ohne den Schultag zu verlängern. Die Jugendlichen absolvierten weiterhin alle verpflichtenden Unterrichtseinheiten. Die Teilnahmequoten an der Studie waren sehr hoch, was auf eine starke Beteiligung hindeutet.

„Ein späterer Unterrichtsbeginn am Morgen kann daher erheblich dazu beitragen, die aktuelle psychische Gesundheitskrise unter Schülerinnen und Schülern anzugehen“, sagte Co-Autor Dr. Reto Huber vom Zentrum für Kindesentwicklung der Universität Zürich.

Flexible Schulstartzeiten passen besser zur Biologie von Teenagern. Wenn Schulen natürliche Schlafmuster berücksichtigen, profitieren Jugendliche von mehr Erholung, besserer Gesundheit und stärkeren schulischen Ergebnissen.

Schon eine kleine Verschiebung am Morgen kann den Alltag spürbar verändern.

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