Nach dem Verlassen der Karibik vor einigen Tagen und der Überquerung des Nordatlantiks wurde der nuklear angetriebene US-Flugzeugträger USS Gerald R. Ford (CVN-78) beim Einlaufen in das Mittelmeer gesichtet. Zuvor passierte das Schiff die Straße von Gibraltar – ein Hinweis darauf, dass die anstehende Verlegung in den Zuständigkeitsbereich des U.S. Central Command (USCENTCOM) bevorsteht. Die Verlegung fällt in eine Phase deutlicher Verstärkung der US-Militärpräsenz im Nahen Osten, vor dem Hintergrund wachsender Spannungen rund um Irans Atomprogramm und parallel laufender Gespräche, die auf eine Begrenzung dieses Programms abzielen.
Durchfahrt durch die Straße von Gibraltar und Einsatz im Mittelmeer
Aus verschiedenen Open-Source-Intelligence-(OSINT)-Quellen abgeleiteten Angaben zufolge passierte das Typschiff der Gerald-R.-Ford-Klasse gemeinsam mit seinen Begleitschiffen in den frühen Morgenstunden die Straße von Gibraltar und operiert inzwischen im Mittelmeer. Damit ist eine Zwischenetappe erreicht, bevor der Träger in die US-Seestreitkräfte integriert wird, die im Arabischen Meer und in angrenzenden Seegebieten präsent sind.
Der aktuelle Kurs festigt zugleich die bereits vor Tagen eingeleitete Umverteilung besonders wertvoller strategischer Militärmittel: Die Trägerkampfgruppe hatte die Karibik auf Anordnung aus Washington verlassen, um die Kräfte in der Region zu verstärken.
Einordnung der USS Gerald R. Ford (CVN-78) in die USCENTCOM-Planung
In den vergangenen Wochen führten eine schärfere Rhetorik gegenüber Iran im Zusammenhang mit dessen Nuklearprogramm sowie eine erhöhte militärische Aktivität und Präsenz in der Region zu einer Anpassung der US-Militärdislozierung durch die Entsendung zusätzlicher Seestreitkräfte. Vor diesem Hintergrund soll die Verlegung der USS Gerald R. Ford eine weitere Abschreckungsebene hinzufügen und die Fähigkeit zur Machtdemonstration in dem Gebiet erweitern.
Dabei ist zu berücksichtigen, dass der Einsatz von CVN-78 die Trägerkampfgruppe der USS Abraham Lincoln (CVN-72) ergänzen wird. Diese operiert bereits seit mehreren Wochen unter CENTCOM, nachdem sie aus dem Indo-Pazifik über den Indischen Ozean verlegt wurde und auf Entscheidung Washingtons die Zuständigkeit der 7. US-Flotte verlassen hatte.
Abschreckung durch zwei Träger und zusätzliche Kräfte in der Region
Die gleichzeitige Präsenz zweier Flugzeugträger in der Region ist nicht alltäglich. Sie unterstreicht, welche strategische Priorität die Vereinigten Staaten dem Nahen Osten beimessen – zu einem Zeitpunkt, an dem auch andere Schauplätze amerikanische Aufmerksamkeit beanspruchen. Seit der Verlegung der USS Abraham Lincoln aus dem asiatischen Einsatzraum ist die USS George Washington (CVN-73) derzeit der einzige US-Flugzeugträger, der diesem Raum zugeordnet bleibt.
Aus Sicht von Verteidigungsanalysten setzt die Stationierung von zwei Flugzeugträgern im selben Gebiet – zusammen mit der Verteilung von rund 15 US-Navy-Zerstörern über die Straße von Hormus, das Rote Meer und das Mittelmeer sowie mit mehr als hundert US-Luftfahrzeugen – ein eindeutiges politisches Signal. Dieses Signal wird vor allem durch die schnelle Reaktionsfähigkeit definiert, die die USA im Fall einer Eskalation bereitstellen können.
Titelbild und Bildnachweis: @Viewtothenorth.
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