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Zielkapital für den Ruhestand 2026 berechnen und die Einkommenslücke schliessen

Person am Tisch berechnet Finanzen mit Taschenrechner, Laptop zeigt Balkendiagramm, Glas mit Geld für Notfallfonds 2026.

Die Reformen der letzten Jahre, höhere Lebenshaltungskosten und zunehmend unterbrochene Erwerbsbiografien machen es schwierig, verlässlich vorzuplanen. Wer sich allein auf das Gefühl „wird schon reichen“ verlässt, läuft Gefahr, später unsanft aufzuwachen. Entscheidend ist, die eigene Lücke im Alterseinkommen sauber zu berechnen – in Euro statt aus dem Bauch heraus.

Warum 2026 deutlich mehr Rücklagen für den Ruhestand nötig sind

Die gesetzliche Rente deckt immer seltener einen hohen Anteil des früheren Einkommens ab. In der Praxis ist häufig vom Rentenersatzniveau bzw. vom Tausender-Satz die Rede: Welcher Prozentsatz des letzten Bruttogehalts kommt später tatsächlich als Rente auf dem Konto an?

Bei vielen, die künftig in Rente gehen, liegt dieser Anteil oft nur noch bei 60 bis 65 Prozent. Der Durchschnitt von rund 74 Prozent wirkt zunächst beruhigend, überdeckt aber erhebliche Unterschiede:

  • Angestellte ohne Führungsposition: rund 75 Prozent des letzten Gehalts
  • Beamte: etwa 70 Prozent
  • Viele Führungskräfte: teils nur um 50 Prozent
  • Manche Selbstständige, Handwerker oder Händler: teilweise nur etwa 40 Prozent

Wer heute ein hohes Einkommen erzielt, kann im Extrem später nur noch die Hälfte oder sogar weniger des früheren Nettoeinkommens zur Verfügung haben. Für viele Haushalte heisst das ganz konkret: Für Miete, Einkäufe und Freizeit fehlt plötzlich fast die Hälfte des bislang gewohnten Budgets.

Hinzu kommt die längere Lebenszeit: 25 bis 30 Jahre Ruhestand sind längst keine Ausnahme mehr. Zwar sind Immobilienkredite dann häufig abbezahlt und die Kinder wohnen meist nicht mehr zu Hause. Gleichzeitig steigen andere Ausgaben: Gesundheit, mögliche Pflege, Anpassungen in der Wohnung – und natürlich Reisen sowie Aktivitäten, die man sich lange vorgenommen hat.

Ohne klar geplantes Zusatzkapital kann schon ein unerwarteter Schicksalsschlag ein mühsam ausbalanciertes Rentenbudget ins Wanken bringen.

Der wichtigste Schritt vor dem Ruhestand: das persönliche Zielkapital berechnen

Der entscheidende Hebel ist nicht das nächste neue Finanzprodukt, sondern ein Blatt Papier oder eine simple Tabelle. Wer sein Zielkapital kennt, kann den Ruhestand gestalten – statt lediglich zu hoffen.

Schritt 1: Voraussichtliche Rente ermitteln

Zuerst geht es um die Frage, mit welchen monatlichen Rentenzahlungen realistisch zu rechnen ist. Dazu gehören:

  • Ansprüche aus der gesetzlichen Rentenversicherung
  • Betriebsrenten
  • berufsständische Versorgungswerke (zum Beispiel für Ärzte, Anwälte, Architekten)
  • private Rentenversicherungen oder bestehende Auszahlpläne

Regelmässige Renteninformationen und Kontostandsmitteilungen schaffen dafür einen ersten Überblick. Wer Brüche in der Erwerbsbiografie hat, sollte früh prüfen, ob Nachzahlungen oder Korrekturen sinnvoll sind.

Schritt 2: Realistischen Ruhestands-Budgetplan erstellen

Der zweite Schritt ist oft der unbequemere: Was kostet ein Alltag, der sich wirklich „gut“ anfühlt – nicht luxuriös, aber entspannt? Hilfreich ist eine Gliederung in Kategorien wie:

  • Miete oder Hausnebenkosten und Instandhaltung
  • Energie, Wasser, Internet, Mobilfunk
  • Lebensmittel und Haushaltsausgaben
  • Versicherungen und Steuern
  • Gesundheit: Medikamente, Zuzahlungen, Hilfsmittel, Zahnbehandlungen
  • Unterstützung für Kinder oder Enkel
  • Reisen, Hobbys, Kultur, Sport

Aus diesen Posten entsteht ein monatlicher Zielbetrag. Die Differenz zwischen diesem Bedarf und der erwarteten Rente ist die eigentliche Einkommenslücke, die über eigene Rücklagen geschlossen werden muss.

Schritt 3: Vom Monatsbetrag zum Zielkapital

An dieser Stelle wird aus der vagen Sorge eine konkrete Zahl. Die Formel ist einfach:

Zielkapital = (monatliche Einkommenslücke) x 12 x (geplante Jahre im Ruhestand)

Ein Beispiel: Für ein entspanntes Leben werden 3.000 Euro monatlich benötigt, realistischerweise stehen aber nur 2.000 Euro Rente im Raum. Damit ergibt sich eine Lücke von 1.000 Euro.

  • Monatliche Lücke: 1.000 Euro
  • Jährliche Lücke: 12.000 Euro
  • Geplante Ruhestandsdauer: 30 Jahre

Das führt zu einem Zielkapital von 360.000 Euro. Dieses Kapital wird im Ruhestand schrittweise aufgebraucht – je nach Anlagestrategie, Inflation und Zinsen kann der tatsächliche Bedarf etwas abweichen, aber die Grössenordnung ist damit definiert.

Wie viel sollte bis wann angespart sein?

Als grobe Orientierung in der Finanzplanung wird häufig eine einkommensbezogene Faustregel genutzt:

  • mit 30 Jahren: etwa ein Jahresbruttogehalt als Vermögen
  • mit 40 Jahren: rund das Dreifache des Jahresgehalts
  • mit 50 Jahren: etwa das Sechsfache
  • mit 65 Jahren: ungefähr das Achtfache

Wer deutlich darunterliegt, muss entweder mehr sparen oder den Rentenbeginn kritisch prüfen. Wer darüber liegt, hat mehr Spielraum – etwa um früher kürzerzutreten oder die Anlagestrategie vorsichtiger auszurichten.

Mit welchem Sparbetrag lässt sich das Ziel realistisch erreichen?

Als häufig genannter Richtwert gelten etwa 15 Prozent des Bruttoeinkommens, die für den Ruhestand investiert werden. Gemeint sind sämtliche Bausteine zusätzlich zu den gesetzlichen Pflichtbeiträgen – also betriebliche, private und andere Sparformen.

Noch wichtiger als die exakte Höhe ist der Startzeitpunkt. Früher anfangen schlägt hohe Beträge kurz vor Schluss.

Wer erst spät beginnt und kaum Reserven hat, wird 15 Prozent oder mehr oft schwer durchhalten. Dann kann ein Stufenplan helfen: mit fünf Prozent starten, den Anteil jedes Jahr um einen Prozentpunkt anheben und jede Gehaltserhöhung zur Hälfte automatisch in die Altersvorsorge umleiten.

Wo das Geld arbeiten kann

Für den Vermögensaufbau kommen mehrere Bausteine infrage, die sich sinnvoll kombinieren lassen:

Baustein Stärken Worauf achten?
Private Renten- oder Vorsorgeverträge Steuervorteile, planbare Zahlungen Kosten, Flexibilität, Laufzeit
Versicherungsbasierte Sparverträge Kombination aus Sicherheit und Renditechancen Kostenstruktur, Anlageschwerpunkt
Aktien- oder ETF-Sparpläne gute Langfristchancen durch breite Streuung Kursschwankungen, Anlagehorizont mind. 10–15 Jahre
Vermietete Immobilien Mietzuflüsse, Sachwert, teils Inflationsschutz Finanzierung, Leerstand, Instandhaltung, Lage
Tagesgeld- und Notfallrücklagen schnell verfügbar, geringe Schwankungen Rendite meist niedrig, nur für kurzfristige Zwecke

Wichtig ist die Mischung: Ein Teil sollte sicher und kurzfristig verfügbar bleiben, ein anderer Teil kann langfristig schwanken, um Renditechancen zu nutzen. Je näher der Ruhestand rückt, desto grösser wird in der Regel der Sicherheitsanteil.

Notgroschen und Flexibilität sind Teil der Strategie

Neben dem eigentlichen Rentenvermögen braucht es ein Notfallpolster auf einem gut zugänglichen Konto. Als sinnvoll gelten drei bis sechs Monatsausgaben. Dieses Geld ist für Autoreparaturen, eine neue Waschmaschine oder eine kurzfristig nötige Zahnbehandlung gedacht, ohne dass dafür das langfristige Kapital angefasst werden muss.

Ausserdem lohnt es sich, den Rentenbeginn nicht als unverrückbares Datum zu betrachten. Wer feststellt, dass die eigene Lücke gross bleibt, kann an mehreren Stellschrauben drehen:

  • länger arbeiten oder in Teilzeit weiter tätig sein
  • Ansprüche aus der gesetzlichen Rentenversicherung durch spätere Inanspruchnahme erhöhen
  • Ausgaben im Ruhestand bewusst niedriger planen
  • Wohnsituation anpassen, zum Beispiel kleiner ziehen oder einen Teil des Eigenheims vermieten

Was viele bei der Planung unterschätzen

Bei der Ruhestandsplanung werden drei Aspekte besonders oft unterschätzt:

  • Inflation: 3.000 Euro heute haben in 20 Jahren nicht mehr dieselbe Kaufkraft. Bei der Berechnung des Zielkapitals sollte deshalb ein Puffer eingeplant oder konservativ kalkuliert werden.
  • Gesundheitskosten: Im Alter steigt häufig der Eigenanteil. Hochwertige Zahnbehandlungen, Brillen, Hörgeräte oder Reha-Massnahmen können rasch vier- oder fünfstellige Beträge erreichen.
  • Psychologie: Viele merken erst im Ruhestand, wie schwer es fällt, das angesparte Kapital tatsächlich anzutasten. Ein klarer Auszahlplan hilft, sich selbst zu erlauben, das Geld auch zu verwenden.

Praktisch kann es sein, das Zielkapital in mehrere „Töpfe“ aufzuteilen: einen für Grundausgaben, einen für Gesundheit und Umbauten, einen für Reisen und Extras. Wer so vorgeht, behält den Überblick und muss bei einem unerwarteten Ereignis nicht sofort alle Pläne streichen.

Wer früh startet, regelmässig nachjustiert und seine Zielzahl kennt, nimmt dem Thema Rente viel von seinem Schrecken. Aus der Angst vor dem Ungewissen wird eine klare Aufgabe – und die lässt sich Schritt für Schritt lösen.

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