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Adenomyose: Ursachen, Diagnose und Behandlung – was wir bisher wissen

Schwangere Frau beim Arzt, der ihr Ultraschallbild auf einem Monitor zeigt, im gynäkologischen Untersuchungszimmer.

Die BBC-Moderatorin Naga Munchetty machte im vergangenen Jahr öffentlich, dass sie an Adenomyose leidet – einer chronischen Erkrankung der Gebärmutter. Sie berichtete, dass die Schmerzen sie zeitweise völlig bewegungsunfähig machen können, und dass ein jüngster Schub so heftig war, dass ihr Ehemann einen Krankenwagen rufen musste.

Trotzdem haben viele Menschen noch nie von dieser Krankheit gehört, obwohl sie Schätzungen zufolge bis zu jede fünfte Frau betrifft.

Adenomyose kann unter anderem unregelmässige und sehr starke Monatsblutungen sowie Schmerzen im Beckenbereich auslösen. Wie stark die Beschwerden sind, unterscheidet sich jedoch deutlich: Bis zu ein Drittel der Betroffenen hat nur geringe oder gar keine Symptome.

Auch die Fruchtbarkeit kann beeinträchtigt sein. Wenn Frauen mit Adenomyose schwanger werden, besteht ein erhöhtes Risiko für Fehlgeburten, Frühgeburten, Präeklampsie sowie Blutungen nach der Entbindung.

Was steckt hinter Adenomyose – und wie wird sie diagnostiziert und behandelt? Vieles ist weiterhin unklar, doch hier ist ein Überblick über den aktuellen Wissensstand.

Was verursacht Adenomyose?

Die Gebärmutter besteht aus zwei zentralen Schichten. Das Endometrium ist die innere Schleimhautschicht, in die sich ein Embryo einnistet. Kommt es nicht zu einer Schwangerschaft, wird diese Schicht während der Menstruation abgestossen.

Das Myometrium ist die Muskelschicht der Gebärmutter. Sie dehnt sich in der Schwangerschaft aus und sorgt für die Kontraktionen. Bei einer Adenomyose finden sich endometriumähnliche Zellen am falschen Ort – nämlich im Myometrium.

Obwohl viele Frauen mit Adenomyose zugleich auch Endometriose haben, handelt es sich bei Adenomyose um eine eigenständige Erkrankung und nicht einfach um dasselbe Krankheitsbild.

Bei Endometriose befinden sich endometriumähnliche Zellen ebenfalls am falschen Platz – allerdings ausserhalb der Gebärmutter, vor allem in der Beckenhöhle.

Durch Forschung, öffentliche Diskussionen und soziale Medien ist das Bewusstsein für Endometriose in den letzten Jahren deutlich gestiegen. Adenomyose hingegen bleibt im Vergleich dazu für viele weiterhin ein weitgehend unbekannter Begriff.

Diagnosemöglichkeiten verändern sich – und werden besser

Adenomyose lässt sich nur schwer eindeutig diagnostizieren. Lange Zeit konnte das Vorhandensein endometriumähnlicher Zellen im Myometrium praktisch nur durch eine pathologische Untersuchung bestätigt werden – also indem das Myometrium nach einer Hysterektomie (Operation zur Entfernung der Gebärmutter) unter dem Mikroskop beurteilt wurde.

In den letzten Jahren wurde Adenomyose deutlich häufiger diagnostiziert, unter anderem dank moderner Bildgebung wie MRT und einer detaillierten Ultraschalluntersuchung des Beckens.

Auch wenn Adenomyose heute oft ohne Hysterektomie erkannt wird, arbeiten Ärztinnen und Ärzte weiterhin daran, ein standardisiertes Verfahren für eine nicht-operative Diagnose zu etablieren.

Deshalb bleibt unklar, wie viele Frauen tatsächlich betroffen sind. Bekannt ist jedoch: Bei rund 20 Prozent der Frauen, die aus anderen Gründen als dem Verdacht auf Adenomyose eine Hysterektomie erhalten, finden sich bei der pathologischen Untersuchung Hinweise auf die Erkrankung.

Adenomyose ist eine komplexe Erkrankung

Das Gewebewachstum bei Adenomyose im Myometrium kann als fokale Läsion auftreten (betrifft nur einen Teil der Gebärmutter) oder diffus sein (betrifft einen grösseren Bereich der Muskulatur).

Zusätzlich lässt sich Adenomyose danach einteilen, wie tief das endometriumähnliche Gewebe in das Myometrium eindringt.

Fachleute aus Wissenschaft und Medizin untersuchen weiterhin, ob Art oder Tiefe der Läsionen mit den Beschwerden zusammenhängen – denn Ausmass der Symptome und Ausprägung der Läsionen passen nicht immer zueinander.

Warum manche Frauen Adenomyose entwickeln, ist bislang nicht abschliessend geklärt. Hinweise deuten allerdings darauf hin, dass die Häufigkeit mit zunehmendem Alter steigt.

Vermutet wird, dass der Bereich zwischen Endometrium und Myometrium geschädigt wird – etwa durch natürliche Vorgänge des Menstruationszyklus, durch Schwangerschaften und Geburten oder durch medizinische Eingriffe.

Bei einigen Frauen heilt eine Schädigung der Endometriumschicht nicht wie vorgesehen. Dann können endometriumähnliche Zellen in das Myometrium eindringen und dort ungewöhnlich weiterwachsen. Das stört die normalen Funktionen der Muskelschicht und kann Schmerzen sowie Blutungen verursachen.

Möglich ist ausserdem, dass mehrere Mechanismen zusammenwirken – und dass Adenomyose nicht auf einen einzigen, allgemein gültigen Auslöser zurückzuführen ist.

Wie wird Adenomyose behandelt?

Zu den Behandlungsansätzen zählen hormonelle Medikamente wie orale Verhütungsmittel, progesteronhaltige Tabletten, das Einsetzen einer progesteronfreisetzenden Spirale (zum Beispiel Mirena) oder ein Medikament namens GnRHa, das die natürliche Produktion von Geschlechtshormonen unterdrückt.

Nicht-hormonelle Optionen umfassen Tranexamsäure. Diese Therapien sollen vor allem die Stärke der Monatsblutung reduzieren. Schmerzen werden häufig mit nichtsteroidalen Antirheumatika (NSAR) behandelt.

Dass Therapien bei manchen Frauen wirken, bei anderen jedoch nicht, stützt die Annahme, dass es möglicherweise mehr als eine Form der Adenomyose gibt. Entsprechend sollten Behandlungsstrategien individuell gewählt werden – abhängig von Symptomen und dem Wunsch nach (weiterer) Fruchtbarkeit.

Wenn Medikamente keine ausreichende Linderung bringen, kommen operative Verfahren infrage – insbesondere die Entfernung fokaler Läsionen oder eine Hysterektomie.

Wie geht es weiter?

Obwohl Adenomyose eine häufige Erkrankung ist, die viele Frauen betrifft – auch im gebärfähigen Alter –, erhält sie bislang nicht genügend Aufmerksamkeit in Klinik und Forschung.

Zudem fehlt es bei vielen Fachkräften im Gesundheitswesen und in der Öffentlichkeit an Wissen und Bewusstsein für Adenomyose. Das muss sich ändern, damit Verständnis, Diagnostik und Behandlungsmöglichkeiten besser werden.

Spezialisierte Wissenschaftlerinnen, Wissenschaftler sowie Ärztinnen und Ärzte arbeiten weiterhin daran, eine präzise, nicht-invasive Diagnosemethode zu finden – und hoffentlich eines Tages auch eine Heilung.

Jen Southcombe, Leitende Forscherin/Arbeitsgruppenleiterin, Nuffield-Department für Frauen- und Reproduktionsgesundheit, Universität Oxford, und Nura Fitnat Topbas Selcuki, Doktorandin, Nuffield-Department für Frauen- und Reproduktionsgesundheit, Universität Oxford

Dieser Artikel wird unter einer Creative-Commons-Lizenz von The Conversation erneut veröffentlicht. Lesen Sie den Originalartikel.

Eine frühere Version dieses Artikels wurde im Mai 2023 veröffentlicht.

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