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Neue Studie der Durham University: Berührung bei Bonobos und Schimpansen vor der Fütterung

Vier junge Schimpansen sitzen im Wald, zwei halten sich gegenseitig die Hände.

In dem Moment, in dem Futter auftaucht, scharen sich die Menschenaffen sofort darum. Die Körper drängen eng aneinander, und mit jeder Sekunde steigt die Anspannung. Solche Situationen könnten leicht in Aggression umschlagen. In vielen Gruppen bleibt das gemeinsame Teilen jedoch erstaunlich friedlich.

Ein Forschungsteam unter Leitung der Durham University wollte verstehen, wodurch das gelingt. Die Erklärung lief auf etwas sehr Einfaches hinaus: freundlichen Körperkontakt. Dieser Reflex ist auch beim Menschen bekannt – und er hinterlässt messbare Spuren.

Dr. Jake Brooker, der die Studie leitete, sagte gegenüber Earth.com: „Human studies have shown that shaking hands before competitive business negotiations increases cooperation and is known to reduce lying.“

„Even athletes who touch one another before or during matches tend to perform better and cooperate better as a unit.“

Im Zentrum standen Bonobos und Schimpansen, unsere beiden nächsten heute lebenden Verwandten. Beide Arten nutzen Berührung, um die Stimmung zu stabilisieren, bevor es brenzlig wird.

Wie Menschenaffen vor dem Fressen Berührung nutzten

Untersucht wurden fünf halbwilde Gruppen in zwei afrikanischen Schutzstationen. Die Bonobos leben im Lola ya Bonobo Sanctuary in der Demokratischen Republik Kongo.

Die Schimpansen befanden sich im Chimfunshi Wildlife Orphanage Trust in Sambia. Insgesamt nahmen 116 Tiere an 45 gefilmten Sitzungen teil.

Jede Sitzung folgte einem einfachen Verfahren, das als „Erdnuss-Schaukel“ bekannt ist. Eine mit Erdnüssen gefüllte Rinne wurde gegen das Gitter geschwenkt, sodass das Futter in einem kleinen, eng umkämpften Bereich landete.

Bevor die Erdnüsse herunterfielen, waren die Tiere fünf Minuten lang gemeinsam in dieser Situation. Die Kameras dokumentierten jede Berührung und verfolgten anschließend, wer danach in der Nähe des Futters blieb.

Die Rolle von körperlichem Kontakt

In beiden Arten zeigte sich derselbe Grundzusammenhang: Tiere, die sich vorab häufiger berührten, verbrachten später mehr Zeit damit, nebeneinander zu fressen.

Die Kontakte reichten von Umarmungen über sanfte Klopfer bis hin zu kurzen Küssen. Jeder dieser Gesten schien die Stimmung vor dem Gedränge etwas zu entschärfen.

Allerdings war der Zusammenhang nicht in jeder Gruppe identisch. In einer Schimpansengruppe ging mehr Berührung sogar mit weniger gemeinsamem Fressen einher.

Zudem unterschieden sich Bonobos und Schimpansen in der „Reichweite“ dieser Gesten. Schimpansen berührten sich insgesamt häufiger – und mit mehr als doppelt so vielen Partnern wie ein typischer Bonobo.

Bindungen unterschieden sich zwischen den Geschlechtern

Die Berührungen verteilten sich nicht gleichmäßig, sondern spiegelten die jeweilige soziale Struktur wider.

Bei Bonobos basieren das Zusammenleben und der Zusammenhalt stark auf engen Beziehungen zwischen Weibchen. Entsprechend leisteten bei den Bonobos vor allem Weibchen-Paare die beruhigenden Gesten.

Bei Schimpansen prägen dagegen eher männliche Bündnisse das Sozialleben. In den Schimpansengruppen griffen daher vor allem Männchen-Paare am häufigsten zu Körperkontakt.

Diese Muster traten jedoch nur in den toleranteren Gruppen klar hervor. Dort, wo die Rangordnung strenger ausfiel, verschwand der freundliche Kontakt weitgehend.

Noch deutlicher wurde es, als die Forschenden die Ebene einzelner Paare verließen und die Gruppen als Ganzes betrachteten.

„In more despotic groups, where resources were more easily monopolized, we noticed that they seemed to lack strong reassurance bonds between the dominant sexes,“ merkte Dr. Brooker gegenüber Earth.com an.

Er betonte, dass mehr Gruppen nötig seien, um sicher zu sein – dennoch sei dieser Trend bei beiden Arten deutlich aufgefallen.

Vertrauen durch riskanten Kontakt

Schimpansen zeigten zudem ein Verhalten, das bei Bonobos nicht beobachtet wurde: Sie steckten Finger – mitunter sogar die ganze Hand – in das Maul eines anderen Tieres.

Diese Handlungen traten wesentlich häufiger in der toleranteren Schimpansengruppe auf. Da ein Schimpanse im Ernstfall einen Finger abbeißen kann, signalisiert das Angebot eines Fingers ein hohes Maß an Vertrauen.

Gerade die Männchen sind aufeinander angewiesen, selbst wenn sie gleichzeitig bluffen und Rivalität demonstrieren.

Beruhigungsgesten machten Vertrauen sichtbar

„Chimpanzees can and do bite fingers off during severe conflicts, and yet, in the minutes before competition, you watch males place their teeth onto others backs and shoulders or shove their hands into each others mouths and hold them there while panting and making soft calls,“ sagte Dr. Brooker zu Earth.com.

„It seems to be an extraordinary act of trust, and the fact that these vulnerable contacts were far more common in our more tolerant group gives us some exciting avenues to investigate in the future and test if they have a direct function.“

Für Brooker steckt dieselbe Botschaft auch darin, wie sich diese Männchen in solchen Momenten körperlich „halten“.

„Chimpanzees are often associated with aggression, but these behaviors reveal a deep level of trust and a willingness to be vulnerable in order to navigate tense moments,“ sagte Dr. Brooker.

Eine Kette von Umarmungen

Ein Teil der Motivation für die Untersuchung ging auf eine einzelne Beobachtung zurück.

„We were partly inspired to conduct this study by an observation from our most tolerant chimpanzee group: one male embracing another from behind, then a second joining in, then a third, one by one, until the whole chain settled – what my colleagues and I started calling a ‘reassurance train’,“ sagte Dr. Brooker.

Konflikte verschwanden bei diesen Futteransammlungen nicht vollständig. Am stärksten flammten sie auf, wenn das Futter tatsächlich auftraf; in den ruhigeren Gruppen ebbten sie danach schneller wieder ab.

Berührung breitet sich innerhalb der Gruppe aus – und häufig folgt darauf Beruhigung.

Verhalten der Menschenaffen spiegelt menschliche Berührung

Ähnliche Reflexe finden sich auch beim Menschen: Wenn die Spannung steigt, suchen viele instinktiv nach einer Hand oder einer Umarmung.

„Although much attention has been placed on the role of aggression and competition in human evolution, our study shows that our lineage has also evolved rich and flexible behavioral tool-kits to manage social tension to protect social relationships and promote social harmony,“ sagte Mitautorin Professorin Zanna Clay.

Für Brooker bleibt vor allem die Tiefe dieser gemeinsamen Geschichte nachwirkend.

„Seeing bonobos and chimpanzees do essentially the same thing, despite our lineages having split over six million years ago, suggests we inherited this capacity from at least our last common ancestor,“ sagte Dr. Brooker.

„That’s quite humbling and I think a comforting thought that some of our most social instincts are ancient and shared with other species.“

Offene Fragen

Ungeklärt ist bislang, ob Berührung soziale Spannung aktiv senkt – oder ob sie vor allem anzeigt, dass die Anspannung bereits niedrig ist.

Als nächsten Schritt wollen die Forschenden die Chemie im Körper genauer betrachten. Sie möchten wissen, ob eine Umarmung Stresshormone sowohl beim Gebenden als auch beim Empfangenden verringert.

„We’d expect both parties to feel reassured, especially when using the more vulnerable gestures, and the strength of that feeling of relief is buffered by the relationship between the two,“ sagte Dr. Brooker zu Earth.com.

Außerdem soll untersucht werden, ob Paare, die sich vor dem Fressen gegenseitig beruhigen, anschließend eher dazu neigen, das Futter friedlich miteinander zu teilen.

Bildnachweis: Zanna Clay / Lola ya Bonobo Sanctuary.

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