Eine neue Studie kommt zu dem Ergebnis, dass eine Epiduralanästhesie (PDA) während der Wehen das Risiko eines Babys für schwerwiegende Schäden nicht erhöht. Forschende werteten nahezu 500.000 Geburten in Schottland aus und fanden keinen Hinweis darauf, dass die Schmerzlinderung die Wahrscheinlichkeit für Hirnverletzungen, schwere Erkrankungen oder den Tod in den ersten Lebenswochen steigert.
Damit berührt das Ergebnis eine der häufigsten Entscheidungen im Kreißsaal. Rund jede vierte Frau in der Untersuchung entschied sich für eine PDA.
Viele weitere Schwangere stehen vor derselben Abwägung – und fragen sich, ob die gewünschte Erleichterung für sie selbst möglicherweise zulasten ihres Kindes gehen könnte.
Eine Frage im Hinblick auf das Baby
Für Frauen, die eine PDA erhalten, gilt das Verfahren seit Langem als gut untersucht und sicher. Bei Neugeborenen war die Datenlage dagegen weniger eindeutig. Genau diese Lücke wollte ein Team um Dr. Rachel Kearns, Anästhesiologin an der University of Glasgow, schließen.
Die Sorge richtete sich dabei selten gegen das Medikament an sich, sondern gegen Begleitveränderungen, die eine PDA mit sich bringen kann – etwa eine längere Pressphase und eine höhere Wahrscheinlichkeit für eine Geburt mit Geburtszange oder Saugglocke. Zudem kann bei der Mutter ein leichtes Fieber auftreten, dessen Wärme auch das Kind erreicht.
Diese Unsicherheit wollte das Team gezielt adressieren. In einer E-Mail an Earth.com erklärte Kearns, die die Studie leitete: „Wir wissen, dass Sorgen um die Sicherheit des Babys ein wichtiger Faktor bei dieser Entscheidung sind, und unsere Studie liefert starke Evidenz, um diese Sorgen besser zu entkräften.“
Schmerzlinderung unter der Geburt war nicht immer gesellschaftlich akzeptiert. Noch vor rund einem Jahrhundert betrachteten viele Ärztinnen und Ärzte Geburtswehen als etwas Natürliches und Notwendiges – als etwas, das eine Frau auszuhalten habe.
Inzwischen ist die PDA als sicher für Mütter fest etabliert. Eine frühere Studie desselben Teams brachte sie zudem mit einem geringeren Risiko schwerer Komplikationen während der Geburt in Zusammenhang.
Knapp eine halbe Million Geburten
Kearns und ihr Team analysierten Datensätze zu 495.695 Geburten in ganz Schottland aus den Jahren 2007 bis 2019. Berücksichtigt wurden ausschließlich Frauen mit Einlingsschwangerschaft, die entweder vaginal oder per ungeplantem Kaiserschnitt entbanden.
Anschließend kontrollierten die Forschenden für mütterliche Einflussfaktoren wie Alter, Gewicht, Rauchen und Diabetes.
Geplante Kaiserschnitte wurden bewusst ausgeschlossen, weil dabei meist eine Spinalanästhesie statt einer PDA eingesetzt wird. Damit konzentrierte sich die Fragestellung auf Babys, die der Schmerzlinderung tatsächlich während der Wehen ausgesetzt waren.
Messung der Gesundheit von Neugeborenen
Als Hauptendpunkt diente das Auftreten schwerer neurologischer Probleme innerhalb der ersten 28 Lebenstage. Dazu zählten Sauerstoffmangel, Krampfanfälle, Blutungen im Gehirn und vergleichbare Verletzungen. Zusätzlich erfasste das Team Atemversagen, Sepsis – eine gefährliche Blutstrominfektion – sowie Todesfälle innerhalb des ersten Monats.
Außerdem prüften die Forschenden sehr niedrige Apgar-Scores, also eine schnelle Einschätzung des Zustands eines Neugeborenen in den Minuten nach der Geburt, sowie Zerebralparese, eine lebenslange Bewegungsstörung.
Eine Zerebralparese kann zu unterschiedlichen Zeitpunkten in der Kindheit diagnostiziert werden, weshalb die Nachbeobachtung über die Geburt hinaus bis in spätere Jahre reichte.
Konsistent und beruhigend
Schwere neurologische Probleme traten insgesamt selten auf: betroffen war weniger als ein Baby pro 1.000. Sie kamen etwa so häufig vor, wie es generell zu erwarten ist – und nicht häufiger bei Kindern, deren Mütter eine PDA erhalten hatten, als bei Kindern ohne PDA.
Eine Teilgruppe lieferte eine kleine Überraschung. Bei Babys, die zu früh geboren wurden, war eine PDA mit einer geringeren Wahrscheinlichkeit für einen kritisch niedrigen Apgar-Score verbunden – nicht mit einer höheren. Ein so niedriger Wert steht für ein Neugeborenes in schwerer Not; das Ergebnis lief damit der früheren Befürchtung entgegen.
Auch bei den übrigen Endpunkten zeigte sich dasselbe Bild. Für Atemversagen, Sepsis, sehr niedrige Apgar-Scores, Neugeborenentod und Zerebralparese ergab sich kein Zusammenhang mit der PDA. Dieses Muster blieb bestehen, unabhängig davon, ob die Geburt vaginal, mithilfe von Geburtszange oder per ungeplantem operativem Eingriff erfolgte.
Gerade diese Stabilität fiel den Forschenden besonders auf. Im Gespräch mit Earth.com sagte Kearns: „Wir haben dasselbe beruhigende Muster auch bei Frauen mit Hochrisikoschwangerschaften, bei Frühgeburten und über verschiedene Geburtsarten hinweg gesehen.“
Die Autismus-Sorge
Die beruhigende Einordnung kommt in einem Feld, das sich noch von einer früheren Aufregung erholt. 2020 berichtete eine Studie aus Kalifornien mit etwa 148.000 Geburten, Kinder von Müttern mit PDA würden rund 37% häufiger mit Autismus diagnostiziert.
Die Verunsicherung verbreitete sich schnell. Bereits innerhalb eines Tages veröffentlichten Fachgesellschaften aus Geburtshilfe, Pädiatrie und Anästhesie eine gemeinsame Stellungnahme, wonach die Arbeit keine glaubwürdigen Belege dafür liefere, dass PDAs Autismus verursachen.
Größere Untersuchungen stützten diese Einschätzung später. Eine landesweite Auswertung von knapp einer halben Million dänischer Kinder fand keinen belastbaren Zusammenhang, sobald familiäre und gesundheitliche Faktoren berücksichtigt wurden; Kohorten aus Kanada kamen zu demselben Ergebnis.
Als die neue Arbeit aus Schottland erschien, war die Autismus-Befürchtung unter der Last der Evidenz bereits deutlich abgeklungen.
Die Studie aus Schottland geht zudem weiter: Sie liefert Entwarnung gerade bei den schwerwiegendsten Folgen für Neugeborene – einschließlich Hirnschädigung und Tod.
Unterstützung bei der Entscheidung von Eltern
In der Gesamtbilanz ist die Lage nun klarer als zuvor. Über nahezu eine halbe Million Geburten hinweg und mit einer Nachbeobachtung der Kinder über mehrere Jahre zeigte eine PDA während der Wehen keinen Zusammenhang mit Hirnverletzungen, Zerebralparese, Sepsis oder Tod bei den Babys von Frauen, die sich dafür entschieden.
Diese Klarheit hat auch unmittelbare praktische Bedeutung. PDAs werden nicht überall in gleichem Maß angeboten, und die Angst, dem Kind zu schaden, ist ein Grund, warum manche Frauen zögern oder davon abgeraten bekommen.
Robuste Evidenz zur Sicherheit der Schmerzlinderung für Neugeborene kann helfen, PDAs breiter und gerechter zugänglich zu machen.
Abwägung der Grenzen der Studie
Die Untersuchung hat klare Einschränkungen. Sie beobachtete Geburten, statt sie experimentell zuzuweisen; allein dadurch lässt sich Ursache und Wirkung nicht endgültig beweisen.
Da die Bevölkerung Schottlands überwiegend weiß ist, bleibt offen, wie gut sich die Ergebnisse auf deutlich vielfältigere Bevölkerungen übertragen lassen. Zudem waren Daten an einigen Stellen unvollständig; fehlende Angaben wurden statistisch ergänzt.
Trotzdem verleihen die große Stichprobe und die lange Nachbeobachtungszeit dem Ergebnis erhebliches Gewicht. Kearns sagte gegenüber Earth.com: „Die wichtigste Botschaft ist nicht, dass jede Frau eine PDA haben sollte, sondern dass jede Frau Zugang zu korrekten, evidenzbasierten Informationen haben sollte, um Entscheidungen treffen zu können.“
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